Agentur für Arbeit Krefeld/Kreis Viersen

Ein oft unterschätztes Angebot

Hasan Klauser, der neue Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Krefeld/Kreis Viersen.

Seit fast zwei Jahrzehnten befasst sich Hasan Klauser mit dem Arbeitsmarkt und unterstützt Menschen und Unternehmen dabei, Lösungen zu finden und Chancen wahrzunehmen. Der 56-jährige Familienvater begann seine Karriere bei der Bundesagentur für Arbeit als Arbeitsvermittler und Berufsberater in Leverkusen. Im Rahmen seiner Tätigkeit in der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen begleitete er unter anderem das Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ und den Aufbau der „Integration Points“ für Geflüchtete. Bevor er nach Krefeld kam, arbeitete Hasan Klauser bereits als Geschäftsführer der Arbeitsagentur Essen unmittelbar am Geschehen.

Herr Klauser, was sehen Sie als Ihre wichtigste Aufgabe in Krefeld?

Krefeld und der Kreis Viersen sind zwei sehr unterschiedliche Gebiete, die aber eines gemeinsam haben: Das wertvolle Angebot der Agentur für Arbeit wird in der Breite noch nicht so deutlich wahrgenommen, wie wir es uns wünschen. Viele, die zu uns kommen, sind in einer schweren Lebenslage, haben ihre Arbeit verloren, oder wissen nicht, wie es nach der Schule weitergeht. Wir sehen es als unsere Aufgabe, sie aus dem Loch zu holen. Noch besser ist es, wenn wir Menschen helfen, gar nicht erst in solch ein Loch zu geraten.

Wie meinen Sie das konkret?

Die Agentur für Arbeit hat ein umfangreiches Beratungsangebot und die größte kostenlose Jobbörse Europas. Bei uns kann man sich beraten lassen, wenn man sich beruflich verändern möchte – oder muss. Am besten bereits bevor man seinen Job verliert. Wir helfen aber natürlich auch beim Berufseinstieg. Wer zum Schulende seinen Weg in das Berufsleben sucht, ist bei unserer Berufsberatung genau an der richtigen Adresse. Und, das gilt natürlich auf für die Eltern, die immer noch die wichtigsten Ratgeber bei der Berufswahl sind.

Akute Hilfe in Notfällen leisten und nachhaltig fördern, damit Notfälle gar nicht erst eintreten: Darin sieht Klauser die Hauptaufgaben der Agentur für Arbeit.

In diesem Bereich haben Sie ja einige Angebote.

Genau. Ob ‚Pott & Deckel‘, ‚Checkin Berufswelt‘ oder ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘. Wir beteiligen uns an vielen Programmen, um gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern in der Stadt und im Kreis junge Menschen bei ihrem Einstieg in die Arbeitswelt zu unterstützen. Wenn mich auf einer solchen Veranstaltung ein Schüler anspricht, und fragt, welches Hemd er am besten für ein Bewerbungsfoto anziehen soll, und wie er auf dem Foto am besten guckt, freue ich mich sehr, wertvolle Tipps geben zu können. Solche Themen scheinen für uns selbstverständlich. Aber für die jungen Leute ist das absolutes Neuland.

Wie kommt man an die benötigten Informationen zu diesen Programmen?

Wir haben an allen Schulen feste Ansprechpartner, und die Berufsberatung geht regelmäßig in die Klassen, um Unterstützung anzubieten. Zusätzliche finden Schülerinnen und Schüler und Eltern viele Online-Angebote auf unserer Homepage. Es gibt so viele spannende Ausbildungsangebote hier in Krefeld und im Kreis Viersen. Lieber das, als ein weiterführender Schulbesuch, weil einem nichts anderes einfällt oder die Kumpels das auch machen. Im schlechtesten Fall hat man nicht nur zwei bis drei Jahre verloren, sondern ist zusätzlich durch das negative Feedback demotiviert.

Viele Menschen haben vielleicht auch Berührungsängste mit der Arbeitsagentur.

Das muss überhaupt nicht sein. Arbeitslosengeld I ist eine Versicherungsleistung. Darauf hat man einen Anspruch. Alles andere ist eine kostenlose Service-Leistung. Wir sind keine anonyme Behörde, sondern eine Institution für die Bürger, in der Menschen aus der Region arbeiten, die Menschen aus der Region helfen wollen.

Was tut die Arbeitsagentur gegen den Fachkräftemangel? Wie unterstützen Sie Unternehmen, passende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden?

Zunächst helfen unsere Aktivitäten an den Schulen natürlich auch Unternehmen, Azubis zu finden. Das ist immer ein Matching, um passende Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenzubringen. Weil die Vermittlung mangels Fachkräften immer herausfordernder wird, helfen wir auch dabei, Menschen so weiter zu qualifizieren, dass sie qualifizierte Fachkräfteaufgaben übernehmen können.

Können Sie dafür ein Beispiel geben?

Ja, stellen Sie sich vor, Sie haben eine Spedition und brauchen Fachlageristen, haben aber vor allem Helfer, die das nicht leisten können. Dann können Sie sich an uns wenden. Hier greift die Beschäftigtenqualifizierung: Wir finanzieren dann die komplette Schulung der bisherigen Helfer zu Fachkräften, und am Ende sind alle einen guten Schritt weiter.

Ist das in den Unternehmen bekannt?

Leider viel zu wenig. Vor allem die kleinen, inhabergeführten Unternehmen haben hier ein großes Problem. Dort arbeitet der Chef Tag und Nacht, um seine Firma am Leben zu halten, und hat gar keine Zeit, sich systematisch um die Personalgewinnung zu kümmern. Unser Arbeitgeber-Service reicht Ihnen gerne die Hand: Sprechen Sie uns einfach an, und wir überlegen gemeinsam, wie wir Sie unterstützen können.

Aber es gibt auch Branchen, die Arbeitskräfte entlassen, weil sich die Wirtschaftslage verschlechtert.

Ja, und hier schließt sich der Kreis. Wer zum Beispiel bei einem Stahlunternehmen oder Autozulieferer arbeitet, wo auf absehbare Zeit viele Jobs wegfallen, kann sich von uns beraten lassen. Diese Menschen haben meistens Kompetenzen, die an anderer Stelle dringend benötigt werden. Wir können so jemandem frühzeitig helfen, zu schauen, wo gesucht wird und er oder sie seine Fähigkeiten einsetzen kann.

Von dieser Seite aus betrachtet, hat Ihre Aufgabe nur noch wenig mit der Verwaltung von Arbeitslosen zu tun.

Ja, und genau das ist für mich die Motivation für meinen Job. Klar haben wir auch die Aufgabe, Menschen, die in Not geraten sind, Erste Hilfe zu leisten. Mindestens ebenso wichtig ist es, nachhaltig und langfristig wirksam zu fördern. Das funktioniert heute über eine gute Beratung und individuelle Lösungen. Das ist für mich eine sinnstiftende Aufgabe, die mich persönlich sehr zufrieden macht.

Herr Klauser, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Fotos: Lucas Coersten

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